Ansprache von Ständerat Rolf Schweiger
anlässlich der Preisverleihung von Pro Holz Zug vom 30. Mai 2006 auf dem Landsgemeindeplatz in Zug
Ich gestehe es offen. Als ich das Präsidium der Pro Holz Zug angenommen habe, ist meine Begeisterung zum Holz keine spezielle gewesen. Wie tausend andere auch bin ich gerne im Wald und habe alles, was aus Holz ist, als durchaus schön, praktisch und heimelig empfunden. Aber eben - Holz ist für mich etwas gewesen, wie vieles andere auch.
In den wenigen Jahren nun, da ich Präsident von Pro Holz Zug bin, hat sich meine Einstellung gewandelt, gewaltig gewandelt. Holz hat sich aus dem ein Material unter vielen anderen zu sein herausgehoben. Holz ist für mich zu etwas geworden, das Stil, das Charakter, das Niveau hat. Ich kann mich mit ihm identifizieren. Es bewegt und fasziniert mich, dies durchaus auch rational, vor allem aber und viel mehr emotional.
Begonnen hat mein Wandel eigentlich, als wir in unserem Büro einen neuen Konferenz-tisch gebraucht haben. Ich habe hierzu wohl weil ich Präsident von Pro Holz bin mehr aus Verantwortung, denn aus Überzeugung Holz empfohlen. Und dann ist er gekommen der Konferenztisch eine dicke, lange und breite Holzplatte, an ihren vier Ecken bündig abgestützt auf währschaften Beinen. Das Holz ist naturbelassen, auf jeglichen Schnick-schnack ist verzichtet. Der ganze Tisch ist in sich stimmig, weil er wohl aus einem Stamm angefertigt worden ist.
Nun steht er also da, einfach da, behäbig, schnörkellos, glaubwürdig in sich selbst ruhend. Und seit es diesen Konferenztisch gibt, kann ich es nicht lassen, ihn beim Eintreten ins Konferenzzimmer einige Sekunden einfach bloss anzusehen, meine Hände über ihn gleiten zu lassen, das Holz zu fühlen. Dies alles tue ich nicht sentimental, nein, ich finde mich gut, mich für eine Konstruktion aus Holz entschlossen zu haben, für etwas also, was glaubhaft und selbstbewusst ist; was Konstanz und Ruhe ausstrahlt. Beein-druckend der Unterschied zu dem, was an diesem Tisch gesprochen wird, kurzfristige, auf den Alltag ausgerichtete Themen, vieles gekünstelt, immer aber Dinge, die vorüber gehen, die schon bald wieder überholt sind durch Anderes, durch Neues.
Ich habe gesagt, Holz hat Stil, Holz hat Niveau, Holz hat Charakter. Diese drei Dinge sind es, die allem, was aus Holz ist, ein hohes Mass an Individualität geben. Wer sich für Holz entscheidet, entscheidet sich auch für sich als Individuum, als selbstbewusstes Wesen, das sich über Konformitäten hinwegzusetzen wagt, ja wegsetzen will. Und das genau das ist es, was Holz modern macht, zum Material des modernen Menschen.
Man mag nun einwenden, Holz als Ausdruck des Modernen, des Neuartigen und des Neuen zu sehen, sei widersprüchlich, habe doch Holz wohl als erstes Material in der Geschichte der Menschheit uns Menschen für Häuser, Betten, Tische und vieles mehr gedient. Das mag so sein, ja das ist so. Was aber heute völlig neu ist, besteht darin, dass man früher für vieles und zur Hauptsache Holz gebraucht hat, dann aber möglich geworden ist, unzählige andere Materialien hierzu verwenden zu können, chemisch gewonnene, industriell geschaffene, dem Praktischen verpflichtete. Wer aber heute bei allen vorhandenen Alternativen Holz wählt, macht eine Aussage die Aussage nämlich, sich Konformem, Alltäglichem, dem Schema X/Schublade Y nicht einfach anpassen zu wollen und den Weg zu nehmen, den Zig-Tausend andere auch gehen. Nein, wer den Mut zu Holz hat für das von fortschrittlichen Architekten konzi-pierte Holzhaus, für gestylte, sich auf das wesentlich beschränkende Holzmöbel, für Holzspielzeuge, die der kindlichen Fantasie Raum lassen , wer sich für Holz entschei-det, entscheidet sich für Stil, für Niveau, für Charakter.
Das ist es, was mich glauben lässt, dass Holz eine grosse Zukunft hat. Der Mensch will wieder vermehrt ausbrechen aus der Einheitlichkeit und dem, was man einfach so zu tun hat. Er will für sich und seine Umgebung Zeichen setzen und ein Ja zu Holz ist ein Ja für modernes Denken, für modernes Tun.
Dazu kommt, dass für Holz immer mehr auch andere Gründe sprechen, welche von uns zu lange vernachlässigt worden sind. Holz wächst bei uns nach; Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Holz bindet CO2, ein Kernanliegen unserer Zeit. Holz ist leicht und ermöglicht so Material sparende Bauweisen. Holz ist energetisch und reguliert in seiner Natürlichkeit Kälte und Wärme. Die auch im Holzbereich sprunghaft gestiegenen technischen Erkenntnisse erlauben heute Variabilitäten und Diversifizierungen, die vor kurzem noch unvorstellbar gewesen sind bzw. an die man aus Bequemlichkeit nicht gedacht hat. Das wohl Wichtigste aber ist: Holz ist immer eigen- und einzigartig. Kein Holzstück ist gleich wie das andere. Keine Maserung eines Brettes findet sich bei anderen Brettern. Holz ist immer ein Unikum.
Mit dem Holzpreis Zentralschweiz 2006 hat man die Zeichen der Zeit richtig gedeutet. Es werden Planer, Handwerker und Unternehmer geehrt, die Gutes, die Tolles, ja die Herausragendes geleistet haben. Das aufzuzeigen und in Ausstellungen durch den ganzen Kanton zu schicken, soll eines bewirken - nämlich, vielen und immer mehr Personen, Gemeinden und Firmen die Augen zu öffnen für das, was Holz ist, was Holz kann. Ich bin sicher, dass nebst Augen auch Herzen geöffnet werden können, denn, wer Stil, Niveau und das Flair für das Besondere hat und haben will, kommt um Holz nicht herum.


