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"Schweiger ist nicht Blocher"

Politische Freunde und Gegner freuen sich über die Wahl Schweigers zum FDP-Präsidenten. Und einige fragen sich: Übernimmt sich der Baarer damit nicht?

"Mit Rolf Schweiger an der Spitze erhält die FDP ein in Wirtschaftsfragen klares und in gesellschaftspolitischer Hinsicht modernes Profil." Andreas Hotz, Weggefährte aus Baar und freisinniger Kantonsrat sowie Gemeinderat, bringt das auf den Punkt, was Schweiger im Vorfeld der Wahl (siehe auch Seite 3) immer wieder selber betont hat: hart rechts, wenns um Wirtschaftspolitik geht, liberal in gesellschaftspolitischen Fragen.

Doch kann ein 59-jähriger Anwalt mit dieser Art von Politik eine Partei wieder auf den Erfolgspfad zurückführen, die nach aussen nicht gerade den Eindruck eines geeinten Politvereins vermittelt? SVP-Nationalrat Marcel Scherer hofft das zwar "für Rolf Schweiger als Person". Er zweifelt aber, dass der "Supertyp Rolf Schweiger" dies auch schafft. Und der in vielen Fragen mit dem neuen FDP-Präsidenten einig gehende Scherer staunt auch, wie der Baarer alle seine Jobs - Anwalt, 22facher Verwaltungsrat, Ständerat - unter einen Hut bringt.

Anerkennung auch von Gegnern
Das politische Heu in vielen Fällen gar nicht auf der gleichen Bühne wie Schweiger hat Trudy Fux, alt SP-Kantonsrätin aus Baar. Dennoch: "Wir sassen damals in der gleichen Stuhlreihe. Und ich habe ihn sehr bewundert für seine klare Ausdrucksweise. Er hat schwierige Sachverhalte sofort auf den Punkt gebracht." Fux hat Schweiger aber auch als Menschen "schätzen gelernt". Und sie traut ihm zu, die angeschlagene FDP wieder nach oben zu führen. Gleichzeitig hat die ehemalige SP-Kantonalpräsidentin Bedenken, dass sich der viel Beschäftigte übernimmt. "Ich beneide ihn nicht um sein neues Amt."

Lang: Schweiger besser als Theiler
Das tut auch Ständeratskollege Peter Bieri von der CVP nicht. Und er wünscht sich geradezu, Schweiger trimme die Freisinnigen wieder zu alter Stärke. "Er hat keine Berührungsängste zur CVP. Wir Mitteparteien müssen zusammenhalten, sonst verharrt unser Land im Stillstand."

Schweiger sei die bessere Wahl für die FDP als Theiler, urteilt Nationalrat Josef Lang. Der SGA-Politiker sieht bei Schweiger einerseits eine knallharte materielle Hardware (bei der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik) und andererseits eine kulturelle Software (politischer Stil, Cannabis-Legalisierung, gleichgeschlechtliche Partnerschaften): "Das Problem ist: Wenn die kulturelle Software kostet, dann ist er nicht mehr so grosszügig." Schweiger sei in der Abgrenzung zur SVP besser als Theiler. Lang erlebte den frisch erkorenen FDP-Präsidenten im Kanton "gegenüber uns als liberaler und umgänglicher als die meisten Bürgerlichen".

Viel Lob von FDP-Politikern
Der frühere Finanzdirektor und Nationalrat Georg Stucky erwartet von Rolf Schweiger, dass er "als integrierende Person die Zersplitterung in der FDP überwindet". In der Kommunikation der FDP gegen aussen stellt der Baarer in der Vergangenheit Mängel fest: "Es braucht jemanden wie ihn, der klar, gut und spontan formulieren kann." Schweiger sei "kein Muni", der wild losstürme, sondern einer, der auch in schwierigen Situationen den richtigen Ton finde.

Ebenfalls genau verfolgte Ruth Schwerzmann als Baarerin und ehemalige Finanzdirektorin den politischen Werdegang Schweigers. Sie erlebte den Baarer als "ganz schnellen Denker und ausserordentlich guten Zuhörer". Sein Markenzeichen sei, "komplexeste Sachen in kurzer Zeit sehr gut auf einen Nenner zu bringen". Für Ruth Schwerzmann ist Rolf Schweiger fähig, der FDP ein ganz klares Wirtschaftsprofil mit liberaler Grundhaltung und der nötigen sozialen Verantwortung zu geben.

Für eine weitere FDP-Politikerin, Fraktionschefin Andrea Hodel, verkörpert Schweiger eine konsequente Wirtschaftspolitik und eine offene Gesellschaftspolitik. "Seine unbändige Freude am Politisieren schwappt an Sitzungen auf die Zuhörer über", sagt die Zugerin. Sie erwartet viel vom neuen FDP-Präsidenten, doch sei sie auch Realistin: "Rolf Schweiger ist nicht Blocher." Gerade dies sei bei der FDP der Unterschied zur SVP: Sie hänge nicht von einer Person ab.

Von Jürg J. Aregger und Lukas Nussbaumer

Neue Luzerner Zeitung / Neue Zuger Zeitung
Ausgabe vom Samstag, 17. April 2004

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