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FDP-Präsidiumswahl

Einer mags rot, der andere rosa


Die Anwärter für das FDP-Präsidium, Georges Theiler und Rolf Schweiger, werden in den Medien gerne als politische Zwillinge dargestellt. Eineiige sind es aber nicht.

Zugegeben, inhaltlich unterscheiden sich die beiden Politiker wenig. Unabhängig davon, ob die freisinnigen Delegierten am späten Abend des 16. Aprils in Chur Georges Theiler oder Rolf Schweiger als neuen Präsidenten aufs Schild heben, ein stolzer Mann der Wirtschaft wird der FDP vorstehen. Beide Zentralschweizer gelten als stramme Finanzpolitiker, deren Credo eine straffe Budgetkontrolle und eine möglichst tiefe Fiskal- und Staatsquote ist.

Differenz: EU-Beitritt
Frappantester Unterschied, der sich bei allen Befragungen und Porträts in den letzten Wochen ausmachen liess, ist die Haltung der beiden Kandidaten in der Europa-Frage. Hier positioniert sich Theiler europafreundlicher, indem er noch ein Türchen für einen Beitritt der Schweiz zur EU offen lässt. Schweiger wiederum nimmt eine eher ablehnende Haltung ein und möchte so lange wie möglich den bilateralen Weg begehen.

Leichte Vorlieben lassen sich zwischen den Papabili der FDP auch ausmachen, wenn man die Liste ihrer Vorstösse etwas genauer liest. So profilierte sich Nationalrat Theiler mit seinen total 25 Interpellationen, Motionen, Postulaten und zwei parlamentarischen Initiativen vor allem als Verkehrspolitiker. Der ehemalige Luzerner Bauunternehmer verlangte beispielsweise schon im ersten Amtsjahr eine termingerechte Realisierung der A 4 durchs Knonaueramt und 2001 - als sich weitere Verzögerungen abzeichneten - eine Beschleunigung des Autobahnbaus zwischen Zug und Zürich. Überhaupt engagierte er sich kräftig für die verkehrspolitischen Anliegen der Region: Die Luftschadstoffsituation am Gotthard, die S-Bahn Zentralschweiz, der Bypass Luzern oder der Lärmschutz an der A 2 Luzern-Nord waren Theiler Vorstösse wert.

Beschäftigt haben den Förderer der Liberalisierung andererseits auch Wettbewerbsverzerrungen bei der Swisstopo oder der Swisscom (letzte Meile). Aktiv war der Ingenieur ETH (Eidgenössisch Technische Hochschule) und Vater von drei studierenden Töchtern zudem im Bildungswesen: Theiler machte sich stark für ein interaktives Berufsbildungszentrum und für ein nationales Programm zur Informatikausbildung.

Politik der eigenen Interessen
Dieser Auswahl gegenüber sind die acht Vorstösse des Zuger Ständerates Schweiger etwas anders gewichtet, aber nicht minder von den eigenen Interessen- und Beziehungsnetzen geprägt. So hat sich der Wirtschaftsanwalt vor allem auf die Finanz- und Steuerpolitik spezialisiert. Seit 1999 forderte er etwa eine bessere steuerliche Attraktivität des Unternehmensstandortes, steuerliche Regelungen für Mitarbeiteroptionen sowie finanzpolitische Strukturreformen.

Daneben war auch Schweiger die Verkehrspolitik ein Anliegen. Allerdings zeigte sich der Zuger in seinen Vorstössen mehr an der Luftfahrt interessiert. Er platzierte im Ständerat erst eine Empfehlung und dann eine Interpellation zum Staatsvertrag mit Deutschland über die Nutzung des süddeutschen Luftraumes.

Beide geben sich gern gesellig
Diesen leichten Vorlieben zum Trotz überwiegen aber doch die Gemeinsamkeiten: Beide arbeiten sie selbstständig - Schweiger in seiner Anwaltskanzlei, Theiler als Inhaber eines Beratungsbüros. Da liegt es auf der Hand, dass die Präsidiumskandidaten auch eine Vielzahl von Verwaltungsmandanten innehaben: Theiler zählt rund zehn, sieht sich aber dennoch als "unabhängig". Schweiger nennt mehr als doppelt so viele, hält sich aber ebenso für integer.

Auch in einem weiteren Punkt können die Zentralschweizer FDP-Politiker auf eine gleiche Erfahrung zurückblicken: Beide politisierten lange Jahre in den Legislativen ihrer Heimatkantone. Schweiger wurde erstmals 1970 in den Zuger Kantonsrat gewählt, dem er 28 Jahre angehörte; Theiler sass von 1987 bis 1995 im Luzerner Grossen Rat.

Auch privat sind viele Parallelen auszumachen: Schweiger wie Theiler sind Väter von erwachsenen Kindern und bezeichnen sich als gesellige Weggefährten. Der Zuger kocht und musiziert gerne; der Luzerner fühlt sich beim Jassen und beim Wandern wohl.

Farbe der Homepages verräts
Bleibt noch die Frage nach dem Stil, die in anderen Medien schon süffisant breitgewalzt wurde. Georges Theiler wurde als "Polteri" und "Haudegen" qualifiziert; Rolf Schweiger als "Chaot" und "Softie". Doch auch hier mögen die Unterschiede je nach Tagesverfassung und äusserem Anlass einmal grösser, einmal kleiner sein.

Einen Blick lohnen aber auf jeden Fall die professionell gefertigten Homepages der beiden Kandidieren: Georges Theiler wählte dafür ein kräftiges Blau und rote Akzente für den Hintergrund; sein Name erscheint in grossen, fetten Lettern. Ausserdem zeigt sich der Luzerner in dynamisch wechselnden Bildsequenzen.
Schweiger hingegen wählte - ebenfalls an die Farbvorgaben der FDP angelehnt - ein sanftes Hellblau und Rosa. Und im Hintergrund des Ständeherrn steht stolz das Bundeshaus.

Neue Luzerner Zeitung

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