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Georges Theiler - Bulldozer mit Macherqualitäten

se. Während sich Schweiger ungern in den Vordergrund rückt, gilt der Luzerner Georges Theiler als selbstbewusster Draufgänger, der mit seiner direkten Art nicht selten anstösst. Der Unternehmer ist sich dessen bewusst: "Ich bin direkt und offen, das kann jemandem manchmal weh tun." Theilers Vater war Bauunternehmer, spezialisiert auf Tunnelbau und Kraftwerke, ein "politisch Neutraler". Die Mutter war Protestantin, eine Freisinnige von Haus aus, wie er sagt. Theiler ist geschieden und hat drei Töchter, mit zweien teilt er sich eine "Studenten-WG", wenn gerade Session ist in Bern. Als Hobbys nennt er Jassen und Wandern, früher habe er auch Basketball gespielt, da habe er gelernt, gegen Welsche zu verlieren. Als bekennender Fasnächtler war der Luzerner dieses Jahr zum ersten Mal am Basler Umzug zu Gast, "voll maskiert", wie er sagt.

Nach dem Tod des Vater hatte Theiler die Bauunternehmung zusammen mit dem Bruder und einem Partner weitergeführt, bis 1997, als man sich strategisch auf den Strassen- und Eisenbahnbau ausrichtete und sich hierfür mit anderen Unternehmen in der Batigroup zusammenschloss. Parallel dazu rief Theiler seine unabhängige Beratungsfirma GT-Consulting ins Leben. Unlängst trennte sich Theiler von der Batigroup, was ihm zeitliche Ressourcen verschaffte und ihn dazu motivierte, sich ein neues Führungsamt in der Politik zu suchen. Der 55-jährige Theiler wurde 1987 in den Luzerner Grossrat und 1995 in den Nationalrat gewählt; er ist Mitglied der Geschäftsleitung der FDP Schweiz. Im Nationalrat wirkt er in den Kommissionen für Umwelt, Raumplanung und Energie sowie für Verkehr und Fernmeldewesen. Den Vorwurf einer unscharfen Trennung von politischem Amt und beruflichen Interessen ("Avanti" und Tiefbau sowie letzte Meile im Fernmeldewesen) wehrt er ab. Er habe sich die Kommissionssitze nicht selbst ausgesucht, sagt er, und: "Wenn Sie das Naturell haben, etwas anzupacken, dann kommen Sie eben rasch in eine Leaderfunktion." Er räumt allerdings ein, dass er beim "Avanti"-Gegenvorschlag tatsächlich nicht unbedingt an vorderster Front hätte antreten müssen.

In der Fraktion haftet Theiler etwas der Ruf des ewigen Zweiten an. Er war bei der Nachfolge von Steinegger im Gespräch, gewählt wurde damals Gerold Bührer; er meldete sich auch als Eventualkandidat nach dem Abgang Bührers. Dass er dann doch nicht angetreten ist, hat man ihm in der Fraktion übel genommen (es hat ihn möglicherweise später das Vize-Fraktionspräsidium gekostet, als er knapp gegen Felix Gutzwiller unterlag). Doch solches vermag den Kampfeswillen eines Georges Theiler nicht zu brechen, im Gegenteil: Dass nun die parteiinterne Personalkommission mit Rolf Schweiger wieder einen anderen Favoriten gefunden hat, scheint ihn eher zu beflügeln: "Ich bin als Zweiter gestartet. Wir wollen sehen, wer als Erster ankommt."

"Mitte als Chance"
Georges Theiler ist in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen weniger hart als Rolf Schweiger. Pragmatisch und zielorientiert geht er das eine oder andere Mal auch Konzessionen ein. Möglicherweise hat auch sein Ja zur Finanzierungsvorlage bei den Sozialwerken damit zu tun, dass er sich im Hinblick auf die Präsidentenwahl von seinem Konkurrenten etwas abheben will. Sonst steht Theiler in Wirtschaftsfragen dem Gewerbe aber sehr nahe, was etwa in seiner Stimmenthaltung beim Kartellgesetz zum Ausdruck kam: "Der ‹Denunzianten-Artikel› war für mich keine freisinnige Lösung", wobei: "Die defensive Abschottung gewisser Gewerbler finde ich deswegen noch lange nicht gut." - In gesellschaftspolitischen Fragen ist der Luzerner eher ein Konservativer, doch auch hier zeigt er sich beweglich: Bei der Drogenpolitik sei er am Anfang eher skeptisch gewesen, sagt er, doch heute finde er es "im Grunde genommen" richtig, den Cannabiskonsum straffrei zu machen - Anbau und Handel will er aber nicht liberalisieren.

Die FDP steht für Theiler "Mitte-rechts-progressiv": "Für mich gibt es keine Zentrums-Falle, nur eine Zentrums-Chance." Der Unternehmer und Berater ortet das zentrale Problem der Partei denn auch im Bereich Marketing und Kommunikation: "Kommunikationspannen, wie wir eben eine hatten, können ein halbes Jahr gute Sachpolitik kaputtmachen." Gut kommunizieren könne man nur, wenn man direkt bei den Bedürfnissen der Bürger ansetze und sich intern einig sei. Die FDP gewinne zwar praktisch alle Volksabstimmungen, das werde aber jeweils mit einer "Elefantenrunde" und einem simplen Communiqué abgehakt: "Wir müssen unsere Erfolge zelebrieren." Theiler möchte die Trendwende bei den Wahlen 2007 erreichen. "Es braucht jetzt einen Ruck in der Partei, Teamgeist und gute Themen."

Ambitionen und Vorbilder
Die FDP kann dank der Kandidatur zweier valabler Parlamentarier aufatmen und auf ein spannendes und doch entspanntes Wahlwochenende am 16. April warten. Schweiger hat seine Kandidatur bewusst passiv eingeleitet und zuvor die Stimmung in der Fraktion genau geprüft. Umgekehrt hat sich die parteiinterne Personalkommission für den sensiblen, umgänglichen und humorvollen Schweiger entschieden, weil sie sich gerade von ihm erhofft, dass er Fraktion und Partei für die notwendige innere Neuorientierung gewinnen könnte - denn diese Partei kann man nur führen, wenn man sie für sich gewinnen kann. Als praktizierender Anwalt ist dem rhetorisch überzeugenden Schweiger zuzutrauen, dass er das notwendige Verhandlungsgeschick aufbringt, die FDP gegen innen und aussen klarer zu positionieren. - Etwas ambitionierter und aktiver stellt sich Georges Theiler der Wahl. Als Unternehmer aus dem KMU-Bereich bringt er die Denkart von Wirtschaft und Gewerbe mit, als Luzerner Liberaler vertritt er gemäss eigenen Angaben keine elitären Vorstellungen, sondern versteht die FDP klar als eine Volkspartei. Theiler verweist auf seine Führungserfahrung, wobei sich die FDP nicht mit einem Unternehmen gleichsetzen lässt. Der Luzerner will erklärtermassen die Aussenwirkung der Partei verbessern; wo die FDP programmatisch hinsteuern soll, ist weniger klar ersichtlich als bei Schweiger.

Apropos Ambitionen der beiden Kandidaten: Befragt nach den politischen Vorbildern, nennt Rolf Schweiger Churchill, was dessen Unerschrockenheit anbelange, und Vaclav Havel, wegen dessen Achtung der Würde des Menschen. Georges Theiler hingegen nennt (auf den ersten Blick bescheiden) einen Luzerner als sein Vorbild: "Kaspar Villiger hat mir immer gefallen. Er hat eine saubere Linie, und er hat die liberalen Grundsätze gut begriffen und vorgelebt."

2. April 2004, Neue Zürcher Zeitung (Artikel von Martin Senti)

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