Direkt zum Inhalt
Direkt zur Navigation

FDP-Frauen lassen der Wut freien Lauf

In der FDP brodelts. Eine "Kommunikationspanne" von Nationalrat Ruedi Noser zeigte am Samstag in Altdorf, wie blank die Nerven in der Partei teils liegen.

P wie Prioritäten, U wie Unabhängigkeit, K wie Köpfe: Mit diesen drei Schlagworten eines neuen Aktionsplanes wollen die FDP-Frauen in die Programmdiskussion der freisinnigen Partei steigen. Ihre Präsidentin, die Glarner Regierungsrätin Marianne Dürst, brauchte dafür die Abkürzung PUK.

Den Teilnehmerinnen an der ordentlichen Generalversammlung vom Samstag in Altdorf wars durchaus nach PUK; allerdings in einem Sinne, die der gängigeren Auslegung der Abkürzung - parlamentarische Untersuchungskommission - weit näher kommt. Die Frauen wünschten von Fraktionsmitgliedern und Parteiexponenten mehr zu erfahren über den "unehrwürdigen Abgang" ihrer Präsidentin Christiane Langenberger, wie sich eine Votantin ausdrückte. Andere fragten kritisch nach dem Rückhalt der Frauen in der FDP Schweiz.

Vizepräsident Noser unterbrochen
Ruedi Noser, der als Vizepräsident der FDP Schweiz in Altdorf angetreten war, die scheidende Präsidentin Langenberger zu würdigen, streute jedoch nur noch mehr Salz in die Wunden der freisinnigen Frauen. Mit seinen Aussagen, dass die Leistungsbilanz der Waadtländer Ständerätin "gut beziehungsweise nicht schlecht war" und dass Langenberger "Stärken und Schwächen hatte wie wir alle" zog Noser den Zorn zahlreicher Frauen im Saal auf sich. Die Worte des Zürcher Kantonalpräsidenten, die mehrmals in Tränen erstickten, und die durchs Mikrofon verstärkten Seufzer Nosers wurden von den Frauen mit Kritik quittiert. Von "falschen Emotionen", "Geschwafel" und "Arroganz" war in Zwischenrufen die Rede. Nationalrat Noser musste seine Rede unterbrechen.

"Personalchefin" Kleiner fehlte
Mit dieser "Kommunikationspanne", wie sich Frauenpräsidentin Dürst anschliessend ausdrückte, war an der GV eine Personaldebatte losgetreten worden, die vom Vorstand der FDP-Frauen so nicht geplant war. Ruedi Noser konnte den aufgebrachten Frauen nicht mehr Erklärungen liefern ausser der Aussage, dass "Frau Langenberger nicht ganz 100-prozentig freiwillig zurückgetreten ist". Auch zeigte er sich als Mitglied der Geschäftsleitung befremdet darüber, dass der Rücktrittsentscheid eine bereits beschlossene Tatsache der Arbeitsgruppe Personal sowie der scheidenden Präsidentin war und lediglich noch "vorgetragen" wurde. Letztlich konnte Nosers Eingeständnis, dass intern und extern "keine perfekte Kommunikation" geleistet worden sei, die Frauen kaum befriedigen.

Mehr Antworten hätte da Marianne Kleiner liefern können, Vizepräsidentin und Vorsitzende der Arbeitsgruppe Personal der FDP Schweiz. Sie war jedoch in Altdorf die grosse Abwesende. Ihre Entschuldigung sei schon länger vorgelegen, informierte Marianne Dürst - ohne zu verhehlen, dass sie an Stelle ihrer Kollegin die Priorität des anderen, privaten Termins noch einmal geprüft hätte. Kleiner, so Dürst, habe es immerhin zugelassen, dass bereits die Arbeitsgruppe Personal Christiane Langenberger den Rücktritt nahe legte, und dass dieser in der Geschäftsleitung nicht mehr diskutiert worden sei, wo auch die FDP-Frauen Einsitz hätten. Den dadurch entstandenen "Scherbenhaufen" würde Marianne Dürst am liebsten mit einem interimistischen Parteipräsidium überbrücken.

Auf jeden Fall wollen die FDP-Frauen zur Präsidiumsnachfolge nicht schweigen. Auf Antrag der Präsidentin der Luzerner FDP-Frauen, Irène Grolimund-Rothmayr, übergab die Versammlung dem Frauenpräsidium die Kompetenz, zu den Kandidaturen Stellung zu nehmen und eine Freisinnige oder einen Freisinnigen zu unterstützen.

Abweichung bei Parolen
Die FDP-Frauen gingen am Samstag in Altdorf allerdings nicht ganz unbefriedigt auseinander, wie die Urner Landrätin und Mitorganisatorin Hedy Kempf-Föhn festhielt. Vielmehr hatten sie in einer offenen Diskussion das bereits erwähnte Aktionsprogramm verabschiedet. Das Papier spricht sich für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit und eine Frauenquote von 30 Prozent auf Wahllisten aus.

Ebenso haben sie Parolen zur Abstimmung vom 16. Mai gefasst. "Wir signalisierten, dass wir zwar eine eigene Meinung haben, nicht aber den Konflikt mit der FDP Schweiz suchen", wie die Aargauer Nationalrätin Christine Egerszegi bestätigte. So schufen die FDP-Frauen eine wichtige Differenz, indem sie den Finanzierungsbeschluss für AHV und IV (Erhöhung der MWST) guthiessen. Andererseits schlossen sie sich mit einem Ja zum Steuerpaket und zur AHV-Revision den offiziellen Parolen der FDP wieder an.

VON ANDREA WILLIMANN

Freitag, 12.3.04, Neue Luzerner Zeitung

Interner Linkzurück zur Übersicht