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Ein integrer Wirtschaftsanwalt

Rolf Schweiger vertritt meist die Interessen der Wirtschaft, markiert in gesellschaftlichen Fragen aber Offenheit. Nun gilt der Zuger FDP-Ständerat als Favorit fürs Präsidium.

Von Annetta Bundi, Bern

Genau gleich wie in der Politik lässt sich Rolf Schweiger auch beim Musizieren nur schwer etikettieren: Mal verblüfft er seine Ratskollegen als Barpianist, mal spielt er klassische Stücke. Doch in den letzten Tagen blieb dem Zuger Ständerat kaum Zeit für dieses Hobby. Seit Christiane Langenberger ihren Rücktritt vom Präsidium bekannt gegeben hat, muss Schweiger - der Favorit für das frei werdende Amt - den Medien Rede und Antwort stehen.

Noch hat der Zuger Anwalt allerdings nicht entschieden, ob er fürs Präsidium kandidieren soll. Das hat zum einen mit dem Streit zu tun, der in der FDP ausgebrochen ist. Seine zögerliche Haltung lässt sich aber auch mit grundsätzlichen Bedenken erklären. Schliesslich muss Schweiger im Fall einer Kandidatur damit rechnen, dass alle seine 22 Verwaltungsratsmandate genau unter die Lupe genommen werden.

Vor gut einem Jahr, als die Nachfolge von Gerold Bührer bestimmt werden musste, war Schweiger bereits einmal in einer ähnlichen Situation. In entwaffnender Ehrlichkeit berichtete er der NZZ damals, was ihn vor einer Kandidatur zurückschrecken liess. "Das Risiko, Ansehen und Ruf zu verlieren, ist bei einem national positionierten Politiker gross geworden." Wäre da nicht die Angst vor einer öffentlichen Demontage, Schweiger hätte längst zugesagt. Er räumt denn auch ein, am Präsidium "interessiert" zu sein.

Prestigeträchtige Mandate
Kein anderer Politiker besitzt so viele Mandate wie Schweiger. Mehrere davon gehen auf einen ehemaligen Schulfreund zurück, der als Berater für die von Otto Beisheim gegründete Metro-Gruppe tätig war. Dieser machte den Handelskonzern auf Schweigers Anwaltskanzlei aufmerksam. Der Sitz der Metro-Holding befindet sich in Zug, ebenso verhält es sich mit den Domizilen der Fimpart AG und der Mondi-Ferienclub AG, die früher zum Metro-Konzern gehörten. In beiden Firmen wirkt Schweiger als Verwaltungsrat.

Er sitzt zudem in drei Immobiliengesellschaften, die in Berlin eben eine der grössten Investitionen der letzten Jahre getätigt haben: das Beisheim-Center, in dessen Komplex die Luxushotels Ritz, Carlton und Marriott untergebracht sind. Mit Metro-Gründer Beisheim ist Schweiger denn auch bekannt, wenn auch nicht sehr nah.

Begegnet ist er zudem Daniel Vasella, dem er bei der Abwicklung eines Grundstückkaufs in der Gemeinde Risch ZG behilflich war. Der Novartis-Chef hat dort von Silvia Göhner, der Witwe des Bauunternehmers Ernst Göhner, ein exklusives Stück Land erworben. Die in der Nähe gelegene Schlossanlage Buonas dient seit zwei Jahren dem Roche-Konzern als Ausbildungszentrum. Auch hier war Schweiger behilflich - heute sitzt er im Verwaltungsrat der Roche Instrument Center AG.

Über seine Mandate gibt Schweiger bereitwillig Auskunft, er hat nichts zu verstecken. Seine Angst vor negativen Schlagzeilen scheint deshalb übertrieben. Dazu kommt: Der 59-jährige Zuger wird als Integrationsfigur geschätzt. "Schweiger ist zwar ein Mann der Wirtschaft", sagt der Glarner FDP-Ständerat Fritz Schiesser. "Er sorgt sich aber auch um die schwächsten Glieder der Gesellschaft."

In gesellschaftlichen Fragen gehört Schweiger tatsächlich zu den liberalen Köpfen der Fraktion. So befürwortet er die Fristenlösung und kämpft für die Entkriminalisierung des Haschisch-Konsums. Doch so offen und tolerant sich der Anwalt gerne gibt: Sobald wirtschaftspolitische Themen traktandiert sind, ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. "Wir dürfen nichts, aber auch gar nichts tun, was unsere internationale Konkurrenzfähigkeit und unseren Standort beeinträchtigt", lautet Schweigers Credo. Er will die Unternehmen steuerlich entlasten und die Staatsausgaben radikal kürzen - genau so, wie es die Economiesuisse verlangt, zu der er enge Kontakte pflegt. Einem Ökonomen des Wirtschaftsverbandes hat er einen Zutrittsausweis in die Wandelhalle verschafft. Dass seine Vorstösse dessen Handschrift tragen, erstaunt daher nicht. Im Unterschied zu anderen Freisinnigen mutiert Schweiger indes nie zum Opportunisten: Vor einem Jahr lehnte er die Förderung erneuerbarer Energien ab, obwohl er dem Verband Pro Holz vorsteht, dessen Mitglieder vom Zustupf profitiert hätten. "Schweiger steht zu seiner Meinung", lobt der Urner CVP-Ständerat Hansheiri Inderkum. "Und zwar auch dann, wenn dies nicht populär ist." Genau dies könnte ihm jetzt zum Vorteil gereichen: Die FDP braucht an der Spitze eine integre Figur.

Tages-Anzeiger vom 09.03.2004
©Tamedia AG

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