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«Die Jugend hat keine Lobby»

Hochkarätige Ökonomen, Mathematiker und Politiker diskutieren über die AHV und Pensionskassen. Das FDP-Fussvolk interessierts trotzdem nicht.
«Sichere Altersrenten sind kein kurzfristiges Wahlkampfthema.» Wenn das einer wie Noch-FDP-Nationalrat Hajo Leutenegger sagt, hat das eine besondere Bedeutung. Schliesslich war es der eigene Bundesrat Pascal Couchepin, der den Freisinnigen mit seinen lauten Äusserungen zur Altersvorsorge einen Bärendienst erwiesen hat. Glaubt jedenfalls auch der Zuger FDP-Kantonalpräsident Jost Windlin, der die samstägliche Novembertagung der Wahlverliererpartei im Zuger Casino zum selbigen Thema vor nur rund 50 Parteimitgliedern («Schade, sind nicht mehr gekommen») moderierte.

Werner C.Hugs Politschelte
Mit dabei auf dem Podium waren neben Leutenegger auch Ständerat Rolf Schweiger, Oskar Leutwiler, Mathematiker und Pensionskassenexperte bei Pricewaterhouse Coopers, sowie Werner C. Hug, Ökonom, Publizist sowie Berater mit Spezialgebiet soziale Sicherheit.

Während Leutwiler in erster Linie davon sprach, wie gut das schweizerische Drei-Säulen-Prinzip und im Speziellen die zweite Säule doch funktioniere - «wir stellen ein Konzept in Frage, um das uns andere Länder beneiden» -, bewertete Hug die Situation der 1985 installierten privaten und öffentlich-rechtlichen Pensionskassen, deren Vorsorgekapital landesweit inzwischen rund 550 Milliarden Franken umfasst. «Bei den privat geführten ist die Situation ernst, aber nicht prekär. Anderes bei den öffentlich-rechtlichen: Ihre Lage ist prekär, viele weisen eine überdurchschnittliche Unterdeckung auf.» Politiker, so der frühere Berner FDP-Stadtrat, seien «eben für vieles zuständig, aber für nichts verantwortlich». Noch deutlicher äusserte sich Hug zu den Sammeleinrichtungen der Versicherungsgesellschaften. «Die Verantwortlichkeiten wurden nicht wahrgenommen, die Aufsicht hat nicht funktioniert.»

Rolf Schweigers Deutlichkeit
Klare Worte brauchte auch Ständerat Rolf Schweiger. Politikerinnen und Politiker würde ihre Informationspflicht gegenüber den Bürgern «zu wenig wahrnehmen». Die herrschende Verunsicherung über die Sicherheit der AHV- und Pensionskassengelder sei «eine Folge dieser Intransparenz». «Viele haben doch heute Angst davor, das zu sagen, was sie wissen - aus Angst vor Reaktionen.»

Schweiger nahm am Samstagmorgen kein Blatt vor den Mund. «Ist es richtig, dass wir Älteren so stark auf unsere Rente fixiert sind?», fragte Schweiger ins Publikum. Und erhielt prompt Reaktionen. Die Parteien (ob der Fast-Bundesratskandidat auch seine eigene meinte, liess er offen) würden «immer opportunistischer, alle schielen auf die alten Wählerinnen und Wähler, nur die Jugend, die hat keine Lobby in Bern». Die Aussage: «Alte sind arm» stimme so «längst nicht mehr. Wir müssen jetzt einen Punkt machen.»

Damit meinte Schweiger - wie Leutwiler - auch die Abschaffung des Mischindexes, der die Anpassung der AHV-Renten an die Lohn- und Preisentwicklung sicherstellt.

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