Villiger-Nachfolge
Auch Steinegger für SVP «nicht wählbar»
Falls Franz Steinegger in den Bundesrat will, kann er nicht auf die Stimmen der Innerschweizer SVP-Vertreter zählen. Sie finden den Urner zu alt beziehungsweise zu links.
Noch hat Franz Steinegger nicht erklärt, ob er auf das Kandidatenkarussell für die Nachfolge von Bundesrat Kaspar Villiger aufspringen will. Vor den Wahlen werde er «auf keinen Fall» entscheiden, bekräftigte der Urner FDP-Nationalrat gestern gegenüber dieser Zeitung.
Ähnliche Probleme wie Beerli
Auch der Umstand, dass die Kandidatur der Berner Ständerätin Christine Beerli im eigenen Kanton auf Widerstand stösst, vermag ihn nicht aus der Reserve zu locken. Dabei hat der ehemalige FDP-Präsident ähnliche Probleme wie die einstige Fraktionschefin: So wie der Berner SVP-Kantonalpräsident Hermann Weyeneth Beerli «nicht wählbar» findet, da sie zu weit links politisiere, versagen auch die Zentralschweizer SVP-Nationalräte Steinegger ihre Unterstützung.
Lieber Schweiger als Steinegger
«Für mich ist Franz nicht wählbar, da er ebenfalls zu links ist», spricht der Zuger Marcel Scherer Klartext. Der Landwirt kann immerhin auf eine Kandidatur aus dem eigenen Kanton hoffen, nämlich jene von Ständerat Rolf Schweiger. «Der wäre genau auf unserer Linie», schwärmt denn auch Scherer.
Ähnlich tönt es aus Luzern. Die FDP müsse mehrheitsfähige Kandidaten bringen, sagt Otto Laubacher und fügt bei: «Für mich gehören weder Beerli noch Steinegger in diese Kategorie.» An Steinegger stört den Krienser Bauunternehmer vor allem das Alter. Mit 60 Jahren sei man «eher zu alt» für ein Regierungsamt. Ähnliche Bedenken hegt der Grosswanger Landwirt Josef Kunz. Genau wie Steinegger will er sich zwar noch nicht definitiv festlegen, meint aber, dass dessen Kandidatur trotz seiner Verdienste problematisch wäre. Jetzt müsse jemand ans Ruder, der zehn Jahre im Amt bleiben könne. «Das Volk erwartet eine jüngere Kraft, damit sich wieder etwas bewegt in diesem Land.»
Zug und Luzern liegen recht weit von Altdorf entfernt, mag man da einwenden. Und fragt sich, ob «Katastrophen-Franz» im vergleichsweise nahen Schwyz wohl über bessere Karten bei der SVP verfüge. Nein, lautet die Antwort. «Ich will nicht Verhältnisse wie in den USA oder im Vatikan, wo 70-Jährige regieren», sagt Peter Föhn. Steinegger sei ihm zwar nicht zu links. Früher, so der Muotathaler Unternehmer, wäre er «für mich absolut wählbar gewesen». Mit 60 Jahren sei er aber eindeutig zu alt. Steineggers Leistungsausweise seien nicht überragend genug, um dieses Manko wettzumachen.
Mit 58 Jahren kommt auch Schweiger für Föhn nicht in Frage. Der Schwyzer sähe am liebsten den Schaffhauser Gerold Bührer (55) Villigers Nachfolge antreten. Dieser politisiere wirtschaftsnah und bürgerlich. Dass er nicht aus der Zentralschweiz stammt, sei zwar bedauerlich, aber nicht weiter schlimm. Ein Bundesrat könne ohnehin nicht viel für seine Region ausrichten, gibt sich Föhn überzeugt.
FDP-Generalsekretär Guido Schommer reagiert betont gelassen auf die Kritik am freisinnigen Dauerkandidaten. «Die Innerschweizer können ihre Spielchen spielen, müssen aber mit den Konsequenzen leben», sagt er. Diese könnten konkret lauten, dass die Zentralschweiz leer ausgeht.
Pokerface Steinegger Und Steinegger selbst? Der lässt sich wie gesagt nicht aus der Reserve locken. Im Moment interessierten ihn die Vorbehalte gegenüber seiner Person aus seiner Region nicht, beteuert er. Und: «Das wäre erst dann der Fall, wenn ich Kandidat wäre.»


