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Fantasievolle Kameramänner

Sonntag, 21.September
Die politische Woche begann für mich am Sonntag. Ich wusste, dass die Sonntagszeitungen berichten würden, in den Wandelhallen Berns spreche man - nebst vielen andern - auch von mir als möglichem Bundesrat. Ich erwartete einige wenige Zeilen. Die Grösse der Berichterstattung aber war überraschend. Noch überraschender dann der Run von Radio und Fernsehen, dies ausgerechnet an einem Sonntagmorgen, der für mich sonst der Inbegriff des Nichtstuns ist. Interviews, Aufnahmen, Schweiger laufend, sitzend, gestikulierend, denkend... Die Fantasie der Kameramänner ist beeindruckend. Froh dann, meine Frau am späten Nachmittag am Flughafen abholen zu können - einige Stunden des Abtauchens.

Montag, 22.September
Der Sonntag hat Auswirkungen. Die Fotoagenturen haben offenbar ihre Bundeshausfotografen angewiesen, einige «Schweigers» auf Vorrat zu knipsen. Meine Kollegen und vor allem Kolleginnen sind besorgt, ob mein «Wuschel» sich in Grenzen hält, die Krawatte sitzt und Ähnliches mehr. Meine Talente sind nicht die eines Models. Gut deshalb, dass ich mich wieder der Sachpolitik zuwenden kann.

Dienstag, 23.September
Ich bin Kommissionssprecher für die Totalrevision der Bundesrechtspflege - ein harter, aber faszinierender Job. Auf jedes Votum ist einzugehen; die Argumente anderer zu loben oder zu zerzausen, Unklarheiten zu erhellen, die Meinung der Kommission zu verteidigen. Stunden totaler Konzentration machen müde - doch trotzdem ist Ausruhen nicht möglich. Am Nachmittag habe ich vor der FDP-Fraktion das Nominationsverfahren für das Bundesgericht zu leiten - auch emotional nicht einfach, wenn es darum geht, den Nicht-Nominierten das Ergebnis mitteilen zu müssen.

Mittwoch, 24.September
Seit Tagen erstmals etwas Ruhe; ich habe im Plenum nicht zu sprechen, kann am späten Nachmittag sogar vorzeitig ins Hotel. Das Alleinsein in Hotels ist nicht nur Honiglecken. Es fehlt jegliche heimische Atmosphäre. Das Telefonieren mit meiner Frau vermag das familiäre Ambiente nur ungenügend zu ersetzen. Es mag kitschig oder gar pathetisch tönen, aber gleichwohl: Zuhause ist es doch am schönsten.

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