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Ist Ständerat Schweiger doch ein Landwirtschaftsexperte

«Ständerat Rolf Schweiger als Landwirtschaftsexperte», Leserbrief vom 20. September

Herr Hans Arnold aus Kappel äussert in diesem Leserbrief Bedenken, ob ich von der Landwirtschaft überhaupt etwas verstehe. Eine Entgleisung sei nämlich mein in einem Interview mit dieser Zeitung vom 18. September gesagter Satz: «Wenn es interessant ist, einen Hof zu halten und Direktzahlungen zu kassieren, statt ihn an innovative Bauern zu verkaufen, dann stimmt etwas nicht.»

Herrn Arnold sei gesagt, dass nicht wenige Bauern diese meine Beurteilung teilen, wenn man meine Interview-Aussage wie folgt versteht:

  1. Im Berggebiet gibt es viele Nebenerwerbsbetriebe. Diese über Gebühr zu reduzieren, wäre falsch. Die Eigenart und der Charme der Bergkantone werden nicht zuletzt durch eine Vielzahl zum Teil kleiner Bauerngüter bestimmt. Würden sie in zu grosser Zahl verschwinden, könnten Talschaften sich entleeren und Dörfer verschwinden. Der auch mir liebe Charakter des Berggebietes würde sich so dramatisch ändern.
  2. Im Mittelland sieht die Situation völlig anders aus. Die Landwirtschaft kann da langfristig nur überleben, wenn grössere und betrieblich vernünftig dimensionierte Höfe entstehen. Möglich wird dies nur, wenn es innovativen Bauern, bei denen überdies die Nachfolge geregelt ist, wieder vermehrt möglich wird, zusätzliches Land erwerben oder zupachten zu können.
  3. Nun hat es selbstverständlich nicht die Meinung, dass insbesondere Haupterwerbsbetriebe gezwungen werden sollen, ihre Höfe zu verkaufen. Etwas mehr Druck - dies auch über die Direktzahlungen - darf aber nach meinem landwirtschaftlichen Verständnis im Mittelland auf Nebenerwerbsbetriebe ausgeübt werden. Die heutige Landwirtschaftspolitik tut das nicht. Damit meine ich folgendes:

    Für Nebenerwerbslandwirte sollte es nicht lukrativer sein, bei zum Teil geringer Tätigkeit auf dem eigenen Hof mit dem Erhalt von Direktzahlungen finanziell bedeutend besser zu fahren als mit einem Verkauf oder mit einer Verpachtung des Landes. Die Gebäude kann man ja behalten.

    Für Bauern, die bisher Land an andere verpachtet und diesen damit vernünftige Hofgrössen ermöglicht haben, darf es nicht finanziell attraktiver sein, solche Pachtverträge zu kündigen und das so zurückerhaltene Land nur deswegen selbst zu bewirtschaften, weil dies wegen der Direktzahlungen weit besser als die bisherige Verpachtung rentiert.
  4. Ich meine - und hier unterstützen mich (zum Teil aber nur hinter vorgehaltener Hand) auch viele Bauern -, dass im Interesse einer modernen und zukunftsträchtigen Landwirtschaft im Schweizerischen Mittelland die Höfe wachsen müssen. Stimmt diese Beurteilung, so dürfte meine Kritik der Landwirtschaft mehr nützen, als wenn ich Fehlentwicklungen nur deshalb verschweige, um so politischer Kritik aus dem Wege zu gehen.

    Herr Arnold bestreitet schliesslich noch meine Glaubwürdigkeit und Legitimation, mich zu der in der Tat nicht auf Rosen gebetteten Landwirtschaft zu äussern. Grund hierfür sei, dass ich (relativ) wohlhabend bin. Ein solcher Einwand ist problematisch. Meine Argumente sind doch nicht besser und nicht schlechter, ob ich mehr oder weniger Geld verdiene. Im Übrigen kann ich Herrn Arnold insofern beruhigen, als ich beim Entlastungsprogramm Ständerat für eine Senkung der Parlamentarierentschädigungen gestimmt habe.

    Mir liegt die Landwirtschaft am Herzen. Sie prägt unser Land und unsere Landschaft. Wenn ich mich mit ihr kritisch auseinander setze, tue ich dies deswegen, um ihr eine Zukunft zu verschaffen. Das Bewahren nur des Bisherigen ist ein Irrweg. Die Vielzahl innovativer Bauern beweist, dass weite Teile auch der Landwirtschaft so denken und für das Mittelland einen Strukturänderungsbedarf bejahen.
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