Wirtschaft unzufrieden mit FDP-Kandidatenduo
Unternehmer kritisieren das Bundesratsticket Beerli/Steinegger und lancieren den Zuger Ständerat Rolf Schweiger
Als sich die Spitzen der Wirtschaft am Dienstagabend - wenige Stunden nach Kaspar Villigers Rücktritt - im Berner Hotel Bellevue zu ihrem jährlichen Meeting mit den FDP Parlamentarier trafen, war rasch klar: Die Wirtschaft wird sich nicht mit dem absehbaren Kandidatenduo Beerli/Steinegger begnügen. "Die Vorbehalte waren offensichtlich" sagt ein Teilnehmer des Treffens.
Dass sich die Begeisterung über das Duo Beerli/Steinegger bei Unternehmern in Grenzen hält, bestätigt Ueli Forster, Präsident von Economiesuisse, dem Spitzenverband der Wirtschaft. "Wir fragen uns, ob die bisher als Favoriten Genannten für uns die beste Lösung sind", so Forster. "Wir können uns durchaus auch andere Kandidaten vorstellen", meint auch Peter Hasler, Direktor des Arbeitgeberverbandes.
Die Vorbehalte richten sich vor allem gegen die Berner Ständerätin Christine Beerli. In Wirtschaftskreisen wird sie als Etatistin und Fiskalistin bezeichnet, weil sie in Steuerfragen nicht stramm genug auf Wirtschaftkurs fährt. Im Gegensatz zu ihrer Fraktion hat sie das Steuersenkungspaket abgelehnt und ist in der laufenden AHV-Revision bereit, die vorzeitige Pensionierung für Kleinverdiener zu subventionieren.
Aber auch Steinegger stösst in Wirtschaftkreisen auf Skepsis. In seiner Zeit als FDP Präsident versuchte der Urner, den Freisinn von der Wirtschaft zu emanzipieren und hat immer wieder Distanz zu den Zürcher Wirtschaftsführern markiert. "Die Liste der Kandidaten ist sicher noch nicht vollständig. Es braucht noch Leute mit einer grösseren Affinität zu wirtschaftlichen Graten" sagt Forster. Die Suche der Wirtschaft nach Alternativen hat bereits begonnen. Sie geht über die auch FDP-intern diskutierten Finanzpolitiker Hans-Rudolf Merz und Gerold Bührer hinaus. Lanciert wird derzeit die Kandidatur des Zuger Ständerates und Wirtschaftsanwalts Rolf Schweiger, 58. Schweiger hält 24 Verwaltungsratsmandate, unter anderem bei der Industrieholding Cham AG (Papier, Immobilien).
Erste Gespräche mit Schweiger, der Ende 2002 auch als FDP Präsident im Gespräch war, sich aber dann zurückzog, haben bereits stattgefunden. "Ja, ich wurde von Wirtschaftleuten angegangen und zu einer Kandidatur ermuntert", bestätigt Schweiger und bekundet sein Interesse an einer Kandidatur: "Wenn die Unterstützung breit genug ist, könnte ich ins Rennen steigen". Schweiger scheint als Kandidat der Wirtschaft tatsächlich geeignet. Merz und Bührer sind handicapiert. Bührer gilt als Einthemenpolitiker, und sein Renommee hat durch den erzwungenen Rücktritt als FDP Präsident grossen Schaden genommen. Merz ist vielen mit seinen 61 Jahren zu alt für eine Kandidatur. Umgekehrt passt Schweiger der Wirtschaft ausgezeichnet ins Profil: "Die Interessen des Grossraumes Zürich sind im Bundesrat nicht vertreten. Als Wirtschaftsanwalt aus dem auf Zürich ausgerichteten Zug wäre Schweiger der richtige Mann", heisst es in Unternehmerkreisen.


