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Zug: Die Schweiz der Schweiz?

Bundespräsident Villiger hat bei der 650-Jahresfeier gesagt, Zug sei für die Schweiz das, was die Schweiz für die Welt bedeute. Sieht uns nun aber auch die Schweiz selbst so? Ist Zug in den Augen anderer Kantone wirklich der Musterknabe?

Uneingeschränkt sicher nicht - und doch. Bei der Beratung des NFA in der Ständeratskommission schimmert immer wieder durch, dass andere Kantone das, was Zug geleistet hat, eigentlich selbst auch tun wollen; dabei aber an vorbestehenden Verkrustungen scheitern.

Sind es die tiefen Steuern, die Zug zum Beispiel werden lassen? Nicht nur! Es sind vorab Soft-Faktoren, die zur Nachahmung reizen:

  • Zug hat erkannt, dass namhafte Wertschöpfung nicht primär durch das Erhalten gewachsener Strukturen erreicht werden kann. Unsere Kompetenz nicht zuletzt auch der Jugend liegt im internationalen Flair. Die bei uns präsente internationale Wirtschaft hat Zug gelehrt, dass Sprachkenntnisse, Gewandtheit im Verkehr mit anderen Ländern, Offensein für das Neue, aber auch das Wagen von Ungewöhnlichem unsere wahren Stärken sind. Anderswo muss diese Erkenntnis erst noch wachsen. 
  • Zug lebt vor, dass Staat und Wirtschaft nicht Gegenpole sind. Unsere Politik ist noch (?) eine coole, eine pragmatische - nicht darauf ausgerichtet, Polaritäten zu verewigen und Fantasie-Positionen aufzubauen, welche nur das eigene Ego befriedigen, sonst aber von niemandem ernsthaft geglaubt werden. Eine solch rationale Politik bringt Stabilität. Stabilität aber ist Voraussetzung vorab für internationales Vertrauen.
  • Zug hat schon längst den Wert einer in der Bevölkerung geschätzten und im positiven Sinne selbstsicheren Verwaltung erkannt. Nur Selbstsicherheit verhindert, arrogant sein zu müssen. Wer arrogant ist, kann nicht Partner sein. Partnerschaft mit dem Staat aber ist das, was die Wirtschaft in einer vernetzten Welt braucht.
  • Zug hat realisiert, dass Dotierung, Kulanz und Kompetenz von Schlüssel-Amtsstellen trotz der hiefür benötigten Mittel uns billiger zu stehen kommen, als eine ineffiziente, ausländische Firmen abschreckende Bürokratie.

Es gibt im Bundesparlament erfreulicherweise solche, die meinen, das Zug von heute sei die Schweiz von morgen. Zurückhaltung gebietet mir, mich einer Wertung dieses Satzes zu enthalten. Sicher aber ist, dass andere Kantone, die einen vergleichbaren Erfolg wie Zug anstreben, beim NFA uns Geberkantonen Verständnis entgegenbringen. Übertriebene Belastungen könnten nämlich bald einmal sie selbst treffen.

Rolf Schweiger, Ständerat

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